Bullshit Bingo Gendern

Ihr kennt es bestimmt, sobald es ums Gendern geht, ist jede Person Expert*in und holt die absurdesten Bullshit Argumente hervor. Hier mal unsere Highlights, habt ihr noch mehr?

ABER: „Ich denke an alle Geschlechter, wenn ich Könige höre!”
Gut, dass das bei dir so ist, aber Studien (bspw. hier, hier, hier und hier) haben gezeigt, dass die Mehrheit der Menschen an Männer denkt, wenn die männliche Form genannt wird. Eigentlich ja auch logisch. Besonders bei Kindern beeinflusst Sprache die Art sich Dinge vorzustellen. Beispielsweise interessieren sich Mädchen mehr für männlich konnotierte Berufe, wenn sowohl die männliche als auch die weibliche Berufsbezeichnung angeben wird.

ABER: „Der Lesefluss wird dadurch eingeschränkt.”
Dass ein Gendersternchen im Satz anfangs ungewohnt wirkt, ist nachzuvollziehen. Aber: Desien Staz knasnt du sciehr acuh lseen, ohbowl die Wterör kmltopet dhcurinednaer gsehrcebien wdruen.
Es gibt sogar Studien, die gezeigt haben, dass der Lesefluss nicht gestört wird oder der Text unverständlicher wird. Außerdem ist es sogar gut, wenn dir auffällt, dass etwas anders ist – schließlich geht es beim Gendern auch darum, bestehende Strukturen aufzubrechen und auf mehr Diversität hinzuweisen. 

ABER: „Es war schon immer so.
Dass etwas immer schon so war und sich deshalb nie ändern sollte, ist ein Argument, das schlicht nicht funktioniert. Die Menschen und die Welt sind ständig im Wandel und daher auch die Sprache. Selbst das alltägliche Verständnis von Geschlecht war nicht immer das gleiche: Das binäre Geschlechtersystem ist in dieser Form erst mit der Einführung der europäischen Bürgerlichkeit entstanden und hat viele andere Vorstellungen von Geschlecht weltweit verdrängt. 

ABER: „Ich als Mann kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand durch das generische Maskulinum nicht angesprochen fühlt.”
Zum Glück gibt es ja subjektive Empfindungen und es ist auch verständlich, dass du dir etwas nicht vorstellen kannst, was dich nicht direkt betrifft. Weiße Menschen beispielsweise können auch nicht nachempfinden, wie es ist, täglich Alltagsrassismus ausgesetzt zu sein. 

ABER: „Ich als Frau fühle mich schon mit dem generischen Maskulinum angesprochen.”
Nur weil du dich mit diesen Begriffen angesprochen fühlst, heißt das nicht, dass es allen anderen nicht männlichen Personen auch so geht. Daher ist doch die beste Option einen Begriff zu wählen, der zweifelsfrei alle anspricht.

ABER: „Bei König*innen hört man die männliche Form nicht mehr, ich fühle mich ausgeschlossen.” 
Beim Gendern mit Sternchen ist es wichtig eine Pause zwischen dem ersten Wortteil und dem “innen” zu machen. Durch den “glottalen Stopp” wird somit hörbar Platz gelassen für alle Geschlechtsidentitäten, die es gibt. Ganz genauso, wie der Stern ja auch in alle Richtungen zeigt. Wenn nur “Königinnen” ohne die Pause gesagt wird, kann man tatsächlich annehmen, dass da nur Frauen gemeint sind. Und wenn du dich dadurch ausgeschlossen fühlst, ist dir ja aufgefallen, wie Frauen und nicht-binäre Menschen sich mit dem generischen Maskulinum fühlen.  

ABER: „Das kann ja kein Mensch aussprechen!“
Das kann sogar jeder Mensch aussprechen! Der sogenannte Glotti-Schlag, also die Mini-Pause zwischen König (Pause) innen ermöglicht es uns nämlich generell viele Wörter überhaupt auszusprechen, wie bspw. Spiegelei. Natürlich verstehen wir, dass es am Anfang ungewohnt ist und es ist ja auch kein Problem, wenn es nicht direkt perfekt läuft. Aber wir versprechen, nach etwas Eingewöhnungszeit gendert ihr sogar automatisch auch nicht gegenderte Texte oder Reden im Kopf mit – zumindest geht es mir so – wem noch? 😀

ABER: Wir haben ja auch echt keine wichtigeren Probleme, als das!”
Nur weil ein Problem für dich weniger groß erscheint, heißt es nicht, dass es nicht für viele Menschen mit alltäglichen Schwierigkeiten einhergeht. Zudem handelt es sich hier um ein Problem, was vergleichsweise leicht zu lösen ist. Mit ein bisschen Übung fällt es sicher auch dir leicht, das Gendern in deinen Sprachgebrauch einzubauen. Außerdem können wir uns um viele Probleme gleichzeitig kümmern.

ABER: „Egal was ich sage, ich kann es ja eh nicht allen recht machen!”
Wir können verstehen, wenn dich das Gendern zunächst überfordert und du Angst hast, etwas falsch zu machen. Es immer allen Menschen recht zu machen, ist wirklich schwierig, doch zählt hier die Geste. Durch das Gendern zeigst du Anderen, dass dir ihr Empfinden nicht egal ist und du Interesse daran hast, für möglichst viele Menschen eine angenehme Gesprächssituation zu schaffen.

OK: „Dann schreibe ich ab jetzt nur noch Salzstreuer*in, Kinder*innen, Vir*innen und Tomatenmarie statt Tomatenmark“
Toll, wie engagiert du bist. Leider hast du das Problem nicht verstanden, gehe zurück zu Warum gendern wichtig ist.

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